Kein Zufall, sondern Logik: Drei Gründe für den KI-Start im Marketing
Während Datenschutz und Integrationshürden andere Abteilungen bremsen, bietet das Marketing den perfekten Raum für schnelle KI-Erfolge. Eine Analyse.
Das Internet füllt sich mit KI-Content und Ratschlägen für dessen Generierung.
Auch die letzten Studien zeigen einen massiven Überhang der Anwendung generativer KI im Bereich Marketing gegenüber anderen Unternehmensbereichen. Ist das nur Zufall oder hat das Methode? Gehen wir der Sache auf den Grund.
LinkedIn, Instagram und Youtube sind voll von Berichten über Chatbots, Agenten, n8n-Flows und anderen Tools für die Generierung von Marketing Content. Sucht man nach Anwendungsfällen in anderen Bereichen, wird es schnell dünner. Personalabteilungen, Kundenservice, Sales und alles weitere kommen auch vor, aber in weit geringerem Umfang. Fällt uns nichts anderes ein oder gibt es weitere Gründe für dieses Bild?
Die Zahlen
Von 42% im Vorjahr ist in 2025 die Quote der Unternehmen auf 60% gesprungen, die im Marketing in der Pilotierungs- oder Skalierungsphase sind. 71% der Unternehmen, die KI im Marketing einsetzen, geben an, dass sie Umsatzzuwächse erzielt haben, auch wenn die Zuwächse noch in einem Bereich unter 5% liegen. Letzteres deutet auch darauf hin, dass die Entwicklung erst am Anfang steht. Die Top-Themen sind dabei mit Personalisierung mit 73%, Content-Optimierung mit 51% und Strategie bzw. Ideation mit 45%.
Die Gründe
Zunächst einmal ist die wohl vordergründigste Erklärung natürlich die, dass generative KI vor allem mit einem beeindruckt: Sie generiert. Letzteres ist auch im Marketing eine der wichtigsten Aufgaben, also liegt es sehr nahe, hier mit KI anzusetzen. Texte, Bilder und Videos zu erzeugen war traditionell ein aufwendiger und teurer Prozess. Texterinnen, Foto- und Videographen haben mit erheblichem Zeiteinsatz zu guten Stundensätzen ihre Arbeit geleistet. Alternativ haben interne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Marketingabteilung ihr Talent eingesetzt, um Content für das Marketing zu kreieren. Vom flüchtigen Text für eine Pressemitteilung bis zum gedruckten Katalog oder dem Imagefilm mit längerer Standzeit waren Zeit und Kosten eine erhebliche Hürde.
Die Kostenhürde
Je kürzer die Halbwertzeit und je höher der Qualitätsanspruch, desto eher wurde verzichtet, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht passte. Ein immer noch trauriger Zeuge dieser Umstände sind Online-Kataloge mit fahrlässig wenig Bildern und wenig aussagekräftigem Text. Wer soll das alles pflegen? Was sollen die ganzen Fotos kosten?
Die Daten
Vor dem Hintergrund der Diskussion um Souveränität und Schutzbedürfnis hinsichtlich der Daten offenbart sich jedoch noch ein weiterer Punkt: Marketing produziert Daten, die ohnehin für die Öffentlichkeit gedacht sind, es gibt also keinen Grund, hier mit Datenschutz zu argumentieren, was einfach vieles erleichtert.
Anders ist es bei den analytischen Themen im Marketing, die mit Kundendaten arbeiten und beispielsweise dabei helfen sollen, personalisiertere Ansprachen zu erzielen. Hyperpersonalisierung ist im Marketing ein typisches Einsatzgebiet auch für KI. Die dahinterliegende Logik und das erforderliche Know how bauen jedoch eine große Hürde auf, so dass hier eher weniger DIY-Projekte zu finden sind und meistens die mittlerweile ebenfalls KI-gestützten Werkzeuge großer Anbieter zum Einsatz kommen. Da diese die Kundendaten ohnehin schon gespeichert haben und es in der Regel auch eine zumindest vertraglich DSGVO-konforme Möglichkeit des Betriebs gibt, sind Bedenken eher selten.
Die Kernpunkte
Kurzum: Marketing bietet sich einfach an als Einsatzfeld für KI:
Artefakte sind ohnehin für die Öffentlichkeit
-> Keine Angst vor DatenabflussKeine enge Integration in Kernsysteme erforderlich
-> Einfache Umsetzung möglichGenerierung von Text, Bild und Video
-> Paradedisziplin generativer KI
Vielfach erzielen Marketer durch generative KI einen enormen Produktivitätszuwachs, bis hin zu der Stufe, dass durch diese Technologie bestimmte Marketingmaßnahmen erst möglich werden. Dies ist insbesondere bei knappen Budgets der Fall, wenn Taktiken in der Vergangenheit nicht Teil des Mix waren, weil die externen Kosten hierfür zu groß waren. Bei den geringen Kosten durch den Einsatz von KI-Tools lohnt es sich dann auf einmal neue Sprachen auf der Website oder im Shop anzubieten, bzw. Broschüren oder Kataloge zu übersetzen. Mit Automatisierung und KI kann plötzlich auch ein kleines Team viele Kanäle bespielen, die vorher die Kapazitäten gesprengt hätten. Von der Analyse bis zum fertigen Post kann ein solcher Werkzeugkasten heute eine Agentur obsolet machen. Was bleibt, ist die Notwendigkeit eines guten Briefings und Controllings, nur in einer anderen Form. Prompts und Context Engineering ersetzen das gute alte Briefing-Dokument und agentische Lösungen erledigen Recherche, Bewertung und Erzeugung der Artefakte. Die Kehrseite der Medaille: Hier geraten Berufsbilder ins Wanken und Jobs stehen auf der Kippe. Andererseits kann kein Unternehmen aus Rücksicht auf die Mitarbeiterinnen bei einer Agentur darauf verzichten, diese Vorteile zu nutzen und Agenturen müssen sich mit Exzellenz in der Nutzung von KI-Tools neue Positionen erarbeiten und Kunden attraktive Angebote machen.
Das Fazit
Wann immer es keinen Anwendungsfall gibt, der sich aufdrängt und alle Kriterien erfüllt, die wir im letzten Artikel der Serie aufgezeigt haben, lohnt sich ein Blick in Richtung Marketing. Jedes Unternehmen kann hier relativ niedrigschwellig profitieren und es ermöglicht einen einfachen Einstieg in die KI-Reise.
Marketing ist das perfekte Übungsfeld: Die Daten sind ohnehin öffentlich, die Tools sind mächtig und das Risiko eines ‘KI-Halluzinations-GAUs’ ist bei einem Instagram-Post überschaubarer als in der Bilanzierung.
Wo steht Ihr Unternehmen? Ist das Marketing bereits im ‘KI-Rausch’ oder herrscht noch Skepsis? Schreiben Sie mir in den Kommentaren, welches Tool bei Ihnen den größten Nutzen gebracht hat.


