Lernen, Führung und Kultur sind die wichtigsten Handlungsfelder für KI-Nutzung
Befähigung als Schlüssel zur Nutzung von KI
Egal wie und wo KI im Unternehmen eingesetzt wird, ein entscheidender Faktor für den Erfolg ist die möglichst breite KI-Kompetenz im Team. Wenn diese fehlt, ist der Einsatz unter Umständen sogar gefährlich, denn es ist etwas neues und es gibt - wie immer mit neuen Werkzeugen - auch einiges Potential für Schäden, die damit produziert werden können. Nur wer versteht, was es ist und wie es funktioniert kann es richtig und gewinnbringend einsetzen. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass die Grenzen bekannt sind und eine realistische Einschätzung für passende Einsatzmöglichkeiten vorhanden ist. Aber wie erreiche ich eine breite Kompetenz im Team? Schauen wir es uns an ...
KI ist Führungsaufgabe
Angesichts des Potentials - sowohl für positive, als auch für negative Einflüsse - von KI für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft ist es im Grunde genommen eine Binsenweisheit, dass die Unternehmensführung das Thema als ureigenste Aufgabe für sich verstehen sollte. Neben den formalen Aspekten, die den Umgang mit KI regeln sollen (KI-Richtlinie, Datenschutz, Auswahl etc.) sollten die Führungspersönlichkeiten mit möglichst großer Geschlossenheit vorangehen und als Vorbild dienen. Dadurch werden ein paar der Fragen, die sich immer stellen, implizit beantwortet: Darf ich das? Soll ich das? Will ich das? Letztere vielleicht noch am wenigsten, aber auch hier wirkt es motivierend, wenn auch die Führungskraft offen mit ihren Erfahrungen im Umgang mit KI umgeht. Auch Sollen und Dürfen werden so sehr natürlich adressiert. Der Rest gestaltet sich einfacher, wenn man als Führungskraft ein Zeichen setzt. Das ist nichts KI-spezifisches und wird hier auch nur deshalb angeführt, weil eine gewisse Neigung in den Unternehmen zu beobachten ist, dass KI nur als neues IT-Tool gesehen wird, es in Wirklichkeit aber viel mehr ist.
Eine Anekdote hierzu aus dem echten Leben:
Ein Mitarbeiter sagt in einem Meeting, in dem es explizit um den Einsatz von KI in der täglichen Arbeit geht und jeder einmal seinen Stand und seine Erfahrung schildern soll so etwas wie:
“Ich setze es seit einer Weile intensiv ein und es spart mir enorm viel Zeit. Das hat mir regelrecht ein schlechtes Gewissen bereitet, weil ich ja gar nicht mehr so viel Arbeit in meine Ergebnisse stecken muss.”
Der anwesende Vorstand reagiert darauf mit:
“Das Du das einsetzt ist absolut richtig und Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben. Wir profitieren ja als Unternehmen, wenn Du und andere dadurch effektiver werden!”
Das schlechte Gewissen des Mitarbeiters ist möglicherweise ein häufig unterschätzter Faktor. Für viele fühlt es sich fast schon illegal an, eine Arbeit, die früher einmal Stunden in Anspruch genommen hat, jetzt nur noch Minuten benötigt. Gleichzeitig kommen dann Gedankenspiralen in Gang, die in Richtung “Ich ersetze mich hier selbst” gehen. Es ist eine Führungsaufgabe, dieses schlechte Gewissen zu nehmen und jeden zu ermutigen, diese Effizienzsteigerungen zu erzielen und klar zu machen, dass man mit freigewordener Zeit und Kapazität im Zweifel viele produktive Dinge für den Erfolg des Unternehmens umsetzen kann. Vielleicht haben dann irgendwann die Mitarbeiter ein schlechtes Gewissen, die KI nicht einsetzen. Besser wäre eine positive Motivation, aber besser Antrieb durch ein wenig schlechtes Gewissen, als Bremse.
Nicht falsch verstehen: Dies ist kein Aufruf, Mitarbeitern ein schlechtes Gewissen zu machen!
Organisatorische Elemente
Nur die Vorbildfunktion des Geschäftsführers und der direkten Führungsmannschaft reicht selbstverständlich nicht. Aber auf dieser Grundlage lassen sich organisatorische Elemente einfacher implementieren.
Den Weg freimachen
Als erste Aufgabe sollten die typischen Hürden beseitigt werden. Hier reden wir oft über die oben bereits genannten Formalitäten, zu denen je nach Größe und Struktur auch eine Abstimmung mit dem Betriebsrat gehört. Wenn hier erst einmal allen formalen Ansprüchen Rechnung getragen wurde, dann gilt es, das eigene Schutzbedürfnis zu definieren und die auch in die Auswahl der Werkzeuge und Plattformen einfließen zu lassen.
Lernen und Starten
Wenn es in die Breite gehen soll, bietet es sich an, Schulungen und Einweisungen mit der Bereitstellung von Tools halbwegs zu synchroniseren. Auf Halde lernen funktioniert nicht und deshalb muss nach dem Absolvieren einer Schulung auch die Möglichkeit vorhanden sein, dass das Erlernte angewendet werden kann. Im besten Fall wird auch nicht einfach nur ein Zugang zu einem Chatbot für eingerichtet, sondern gleichzeitig auch eine begleitende Maßnahme organisiert, die dafür sorgt, dass keiner mit seinen Fragen alleine gelassen wird und jeder von jedem lernen kann. Die kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Von einem Wissensbereich, in dem sich jeder auch informieren kann, welche Dinge gut funktionieren und mit welchen einfachen Anwendungen jeder in die Nutzung kommen kann, bis hin zu regelmäßigen offenen Austauschformaten, in denen auch andere Anwender vorstellen können, was sie bisher mit der neuen Technologie geschafft haben.
Ohne einen Austausch mit anderen bleibt es oft bei einer Nutzung von ChatBots als Google-Ersatz und wenig anspruchsvollen Spielereien. Durch den Austausch und die unterstützende Begleitung auf vielen Ebenen werden jedoch auch skeptische Menschen überzeugt, mutigere Schritte zu machen und Dinge auszuprobieren, die andere schon probiert haben.
Ziele definieren
Natürlich ist es das Optimum, wenn alle intrinsisch motiviert sind und ohne äußere Faktoren KI adaptieren und damit sinnstiftende Leistungen im Rahmen der gesetzten Regeln erzeugen. Um dem Erfolg hier ein wenig auf die Sprünge zu helfen, ist es jedoch häufig sinnvoll bis notwendig, auch klare Ziele zu definieren. In einer ersten Phase ist es wichtiger, dass es Ziele gibt und diese auch erreichbar sind, als das diese Ziele einen massiven Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben. Nicht jedes Unternehmen setzt OKR als System ein, aber wenn doch, ist natürlich optimal, diese Ziele in das System zu integrieren. Für alle anderen ist es jedoch auch in Ordnung, dass zunächst locker auf eine Weise zu formulieren, die jeder auf sich projizieren kann.
Spielraum lassen
Einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg von Innovation und Adaption ist eine gesunde Fehler- und Feedback-Kultur. Gerade bei der Einführung und Adaption von KI - und nachfolgender KI-basierter Innovation - ist es wichtig, experimentieren zu dürfen und das bedeutet eben auch immer: Fehler machen zu dürfen. Das diese Fehler in ihrem möglichen Schaden begrenzt sind, dafür sollen die Regelwerke und Randbedingungen sorgen. Ansonsten müssen die Anwender diese Fehler machen dürfen, um einen professionellen Umgang mit der neuen Technologie zu lernen.
Also: Starten, Lernen und Adaptieren!



